Montag, 8. Juli 2013

Fahrt ins Grüne - äh - Blaue

Seit diesem Frühjahr bin ich Neu-Gärtnerin. Mit einer Freundin habe ich ein kleines Gärtchen am Stadtrad gepachtet, und diese Freundin hat ein Auto. So konnten wir immer mal spontan nach unserem jungen Gemüse sehen. 

Nun ist meine Freundin in den Urlaub gefahren -  ich erwähnte es schon - und das hat außer Verwaisung und Verwahrlosung auch noch andere Folgen: ich bin auf den ÖPNV angewiesen. Der hat eine Website, bei der man nach Verbindungen suchen kann. Mit der Seite habe ich so meine Erfahrungen. Aber ich übe mich ja gerade in Vertrauen, und deshalb habe ich vor einigen Wochen via Web schon einmal eine Fahrt zum Gärtchen geplant. Ich wusste, dass genau an dem kleinen Zugang zu den Feldern eine Bushaltestelle ist. Die wiederum liegt gegenüber einer ALDI-Filiale. Ich also ganz schlau die Adresse des Marktes als Fahrtziel eingegeben und tatsächlich eine Verbindung erhalten. Die schien mir plausibel, also machte ich mich zuversichtlich auf den Weg. Mit "plausibel" meine ich, dass der Verkehrsverbund mich nicht zunächst in eine andere Stadt schicken wollte, und die Fahrtzeit nicht mit fünf Stunden angegeben war. Auch das kommt vor. 

Brav folgte ich also dem Verbindungsplan. Nur, um am anderen Ende des Dörfchens zu stranden. Ich kam mir ziemlich dämlich vor, als ich an der Endhaltestelle immer noch im Bus saß, mich über die unbekannte Gegend wundernd, während der Fahrer endlich Pause machen wollte. 

Heute wollte ich ein ähnliches Erlebnis vorher ausschließen und guckte direkt nach dem Bus, der an der besagten Haltestelle hält, oder abfährt, oder wie auch immer....

Diese Buslinie war der Website unbekannt. Ich probierte ein paar Tricks, um sie zu überlisten, aber ohne Erfolg. Unsere Pflänzchen sollten aber noch heute vor dem Verdursten gerettet werden. Daher versuchte ich es diesmal mit der Telefon-Hotline. 

Natürlich habe ich nicht damit gerechnet, sofort mit einem lebendigen Menschen sprechen zu können. Man ist ja nicht blöd oder erst gestern aus dem Nest gefallen. Die Ansage lautete allerdings: "Wir VERSUCHEN, Sie mit einem Mitarbeiter zu verbinden." Das lässt schon Böses ahnen. Ein kluger Therapeut meines Vertrauens hat mal gesagt: Versuchen heißt Scheitern. Das leuchtet ein. Man muss sich nur vorstellen, wie man selber sagt: Ich versuche mit dem Rauchen aufzuhören. Oder: Ich versuche, mehr Sport zu machen. Da klingt doch quasi auf der zweiten Tonspur mit: Ich glaube selber nicht dran. Also das wird nix. Aber versucht habe ich es.

Nachdem die freundliche Telefonstimme diesen Versuch fünfmal angekündigte hatte, wurde ich aus der Leitung geschmissen. Das Ganze insgesamt dreimal; bei mehr Anrufen hätte ich mich geschämt und mein Gesicht verloren, auch wenn's außer mir niemand gemerkt hätte. Also ich hätte vor mir selbst mein Gesicht verloren. 

Was soll man sagen? 

In gnädiger Stimmung vielleicht Folgendes: Der Telefonservice zeigt eine erstaunlich gute Selbsteinschätzung, denn Versuche können nun mal so oder so ausgehen. In diesem Fall halt so.

Unverhofftes Happy End: 

Als ich gerade meinen Telefonhörer angeschnauzt hatte, riefen zwei Gärtnerfreunde an, um zu fragen, ob sie mich abholen sollten - sie würden spontan mit dem Auto ins Gärtchen fahren. Juhu!