Sonntag, 20. August 2017

E.R.

Als ich letztens nur kurz in die Stadt wollte, wurde daraus ein längerer Aufenthalt in der Notfall-Ambulanz. Und das kam so:

Mir war schon beim Losgehen etwas blümerant. Genauer gesagt fühlte ich mich, als würde mir ein immens schweres Wesen auf der Brust sitzen und mir dabei die Kehle zudrücken. Gleichzeitig war mir übel, und ich fürchtete schon, mich in den nächsten Papierkorb übergeben zu müssen. 

Zuerst versuchte ich es mit Ignorieren, ging aber nicht. Ich bekam nur noch schlecht Luft, und plötzlich erinnerte ich mich, kürzlich über die typischen Symptome gelesen zu haben, die bei  Frauen einen Herzinfarkt ankündigen. Die hatte ich alle. 

Ich bin eigentlich nicht der hysterische Typ, aber als mir das eingefallen war, ging ich statt nach Hause zum nächst gelegenen  Krankenhaus. Mir war egal, ob die mich gleich auslachen und  wieder heim schicken würden. Lieber das, als allein in meiner Wohnung zu sterben und irgendwann von  Kakerlaken aufgegessen zu werden. 

Jetzt weiß ich also, dass bei Weitem nicht jedes Krankenhaus eine Notfallambulanz hat. Ich wurde tatsächlich weggeschickt, aber nicht, weil ich plötzlich gesundet war, sondern weil ich woanders hin musste.

Und zwar ausgerechnet in die Klinik, wo mein Vater ein  paar  Wochen auf der Palliativstation verbracht hatte. 

Als ich von meinen Beschwerden erzählte, musste ich immerhin nicht noch warten, sondern wurde gleich zum EKG abgeführt. Die Schwester war freundlich und einfühlsam, und das kann ich in so einer Lage überhaupt nicht vertragen. Sofort kamen mir die Tränen, weil ich bis dahin das getan hatte, was ich eben am besten kann: Haltung bewahren. Mich zusammenreißen. Nicht herumjammern. Nun bekam ich zu hören, dass es ganz richtig gewesen sei herzukommen, und dass es überhaupt nicht schlimm wäre, wenn sich alles als falscher Alarm herausstellen würde. In mein Taschentuch schniffelnd dankte ich für die freundlichen  Worte.

Nach dem EKG wurden noch Blutdruck und Sauerstoffsättigung gemessen - alles sei im grünen Bereich.

Jetzt würde noch der diensthabende Arzt einen Blick auf das EKG werfen, und dann könne ich wohl gehen.

Im Wartebereich fiel mir auf, dass sich die Symptome - wohl aus Respekt vor der Umgebung - inzwischen restlos verkrümelt hatten.  

Ich wurde ins Sprechzimmer gerufen und von einem jungen Mann befragt, der aber nicht der Arzt war - der kam hektisch dazu und hörte meine Lunge ab, während er mit dem jungen Mann und der Krankenschwester über alles Mögliche redete. Als brave Patientin bemühte ich mich, die zwischendurch gebellten Befehle - "Jetzt NICHT atmen! Wieder atmen! Tief ein und aus atmen!" schnellstens zu befolgen, ohne dass ich zu viel vom übrigen Gespräch mitbekam. Man will ja nicht indiskret sein. Dann ging es aber doch um mich.

Der Arzt fand es gut, wenn sich auch die Internistin das EKG anschauen würde. Ich wurde erneut in den Wartebereich geschickt. Und vertrieb mir die Zeit mit People Watching. Und Listening.

Ein Mann wurde mit "Herr Dr. X" aufgerufen und eilte ins Sprechzimmer, gefolgt von seiner Frau mit kleiner Tochter auf dem Arm, die rief: "Ich komme mit rein, weil ich ja auch Ärztin bin!" Ich dachte so: "Ah, der Schrecken jedes Arztes - Kollege als Patient". Ein befreundeter Mediziner hat mal bemerkt: "Unsereins geht ja erst zum Arzt, wenn wir uns mindestens schon einmal selbst reanimiert haben." Dann traf die Internistin ein. Als aufgeweckte Patientin erkannte ich sie am Inhalt ihres Handy-Telefonats, während sie ins Sprechzimmer eilte. Nun würde ich wohl gleich entlassen. Aber dass die meisten Ärzte mir wie frisch gebackene Abiturienten vorkommen, daran muss ich mich immer noch gewöhnen.

Die Internistin kam wieder aus dem Zimmer, und durch die offene Tür hörte ich, wie der Arzt zur Schwester sagte: "Bringen Sie ihr das mal schonend bei, damit sie keinen Schreck kriegt." Darauf steuerte die Schwester in meine Richtung, und ich kriegte  einen Schreck.

Mit dem Lächeln einer Flugbegleiterin, die den Passagieren versichert, alles sei in bester Ordnung, und sie müssten jetzt sofort die Sauerstoffmasken anlegen, teilte die Schwester mir mit, dass ich auf Wunsch der Internistin nun offiziell aufgenommen und nochmals gründlich untersucht würde. Es gäbe ein paar seltsame Dinger in der EKG-Kurve. "Was für Dinger?", fragte ich. "Keine Ahnung, aber es ist bestimmt nichts", sagte sie. Das beruhigte mich sofort. Nicht.

Sie schickte mich zur Aufnahme, und da war erstmal eine Runde Extrem-Schämen angesagt, weil ich immer noch keinen Angehörigen vorweisen konnte, den man im Notfall anrufen dürfte. Und einmal fragen reicht offenbar nicht - immer kommt noch "Wirklich niemand?" hinterher. Was glauben die denn? Dass ich vor lauter Aufregung vergessen habe, dass zu Hause ein liebender Ehemann wartet, der sich fragt, wer ihm heute sein Abendessen macht? 

Als das überstanden war, durfte ich einem blonden, engelsgleichen Pfleger in den "Kardioraum" folgen. Der Engel  sagte: "So, als erstes machen wir ein EKG." Darauf ich: "?!?" In Wirklichkeit sagte ich, es sei doch gerade eins gemacht worden, er könne es sich in der Akte anschauen. Und da wundert man sich über verrückte Gesundheitskosten. 

Der Engel erklärte sich bereit, erstmal  abzuwarten. Inzwischen würde er mich verkabeln und mir Blut abnehmen. Letzteres beherrschte er zu meiner Erleichterung ganz ausgezeichnet. Sonst hätte ich bestimmt gleich noch einen beliebten Satz gehört, der da heißt: "SIE haben aber schlechte Venen!" Da weiß ich auch immer nichts zu antworten. Übersetzt heißt der Satz sowieso nur: "Hilfe, ich krieg' das hier nicht hin", begleitet von verzweifeltem Herumstochern in meinem Arm.

Nun lag ich also, nachdem der Engel mich verlassen hatte, eine ganze Weile in diesem Raum. Ohne Brille konnte ich nicht mal sehen, was der Monitor zu meinen Werten sagte. Wie langsam die Zeit verging... 

Anhand des sich regelmäßig aufpumpenden Messgeräts an meinem Arm zählte ich die Viertelstunden. 

Ab und zu kam mal jemand herein, wurschtelte in dem einen oder anderen Schrank und ging wieder heraus.  

Mein Magen knurrte mich an, als ob ich nicht selber wüsste, dass er seit dem Morgen kein Futter mehr bekommen hatte.

Inzwischen war es dunkel. Vielleicht war die Internistin längst nach Hause gegangen? Und wo war mein Engel? 

Kurz bekam ich Lust, mir wie im Film sämtliche Kabel und Schnüre vom Leib zu reißen und von der Liege zu springen. Aber so ohne Publikum...

Als endlich Frau Doktor samt Engel wieder auftauchte, schreckte ich aus einem leichten  Dämmerzustand. Die Internistin sagte, mein Blut zeige keinerlei Hinweise auf Herzinfarkt oder sonstwas Böses, aber sie wolle doch noch ein etwas detaillierteres EKG schreiben - so sagt man! Obwohl weder sie noch ihr Assistent sich mit Kuli und Hörrohr vor mein Herz setzen würden. Tatsächlich spuckte der Drucker diesmal ein tapetenbahngroßes Dokument aus, was der Engel auf mir ausbreitete, als sei er Architekt und wolle der Bauherrin seinen Plan erläutern. Frau Doktor sagte dazu: "Also das ist jetzt ein bisschen...." und guckte ihn pädagogisch an. Der Engel wurde rot, und ich musste  kichern.

Es gibt also "so Dinger" in meinem EKG, ich soll mir keine Sorgen machen und mal zum Kardiologen gehen.

Erstmal ging ich recht beschwingt zu Fuß nach Hause, erste Maßnahmen ergreifend: Von nun an mehr Bewegung.

Was mit mir an dem Tag los war? Könnte eine Panikattacke gewesen sein, meint meine weise Therapeutin.

Jetzt weiß ich also auch, wie sich sowas anfühlt.







Donnerstag, 20. Juli 2017

Auf gute Nachbarschaft

Vor einigen Wochen hing ein Zettel am schwarzen Brett im Hausflur. Überschrift war "Fernseher", und im Text wurde die Person, die offenbar ihr altes Fernsehgerät im Keller unter der Treppe "entsorgt" hatte, aufgefordert, ihn von dort weg zu schaffen. Unser Hausmeister hatte sogar die Telefonnummer der Müllentsorgung und die Öffnungszeiten des Recyclingcenters hinzugefügt.

Nun geht es in unserem Haus meist ganz zivilisiert zu. Es besteht aus lauter Eigentumswohnungen, und in geschätzt einem Drittel dieser Wohnungen leben noch die Ureinwohner, hätte ich beinah gesagt - nee, hab' ich jetzt halt mal gesagt. Gemeint sind die Erstbezieher, die inzwischen alt gewordenen Menschen, die sich Wohnungen gekauft haben, als das Haus Mitte der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gebaut wurde.

Ich bin Mieterin und damit, nach Meinung einiger Ureinwohner, von vornherein Bewohner zweiter Klasse. Dennoch, die meisten Nachbarn sind freundliche und hilfsbereite Menschen, und so ein Haus hat den Vorteil, dass man sich nie mit einer desinteressierten Verwaltung herumschlagen muss, dass man gegenseitig Pakete in Empfang nimmt, dass man im Waschkeller ein Schwätzchen  hält - dass man sich umeinander kümmert.

Im letzten Sommer habe ich zum Beispiel dreimal in einer Nacht eine verwirrte Nachbarin zurück in ihre Wohnung begleitet, nachdem sie - komplett angezogen, wie sich das für eine alte Dame gehört - immer wieder bei mir geklingelt hatte in der Überzeugung, ich sei Ihre Ärztin, und sie habe doch jetzt einen Termin.

Ein paar Wochen später ging es einem anderen alten Herrn schlecht, und ich rief den Notarzt und wartete mit dem Nachbarn, bis dieser eingetroffen war.

So war das in unserem Haus. 

Manchmal war es aber auch so:

Eine der Ureinwohnerinnen ist etwas seltsam drauf und hat mich zum Beispiel einmal darauf aufmerksam gemacht, dass meine (frisch gewaschene) Wäsche stinke. Sie meine es nur gut. Ich sagte, dass ich die Vorstellung seltsam finde, wie sie an meiner Wäsche schnuppert, weiter habe ich nichts kommentiert, denn diese Dame ist eben .... seltsam. Wenn ich in den Fahrstuhl einsteige und  sie ist schon drin, sieht sie immer dermaßen verblüfft aus, dass außer ihr noch jemand im Haus wohnt....nun ja. Und eine Zeit lang hielt sie sich die Nase zu, wenn ich mit ihr im Aufzug war. Soweit mir bekannt, rieche ich ganz OK. Ich dusche auch regelmäßig und bin dem Benutzen von Parfum nicht abgeneigt. 

Der bisherige Höhepunkt war, dass sie mich bat, meine Wäsche noch ein paar Tage in der Maschine zu lassen, da sie jetzt in diesem  Moment unbedingt waschen und IHRE Wäsche aufhängen wolle. Das habe ich verweigert, und seitdem darf ich sie nicht mehr grüßen. Ihr Mann hat es mir verboten. Wenn ich's recht bedenke, sollte ich diesen Moment vielleicht eher Tiefpunkt nennen. 

Man könnte also sagen, dass einige Nachbarn nicht gerade die schärfsten Messer in der Schublade sind. Und ich bei denen einen ganz schlechten Ruf habe.

Nun hat so eine Art Generationswechsel stattgefunden, und die neu Hinzu-gezogenen sind - soweit ich das bisher mitbekommen habe - nette junge Leute, die hier ein bisschen mehr Leben in die Bude bringen. 

Keine Ahnung, wer nun diesen vermaledeiten Fernseher abgestellt hat.

Nachdem der Zettel einige Zeit dort hing, aber scheinbar ohne Effekt, tauchte eine Liste auf. Darauf die Namen aller Bewohner, und die Überschrift lautete sinngemäß: Hiermit versichere ich, dass mir der Fernseher, der im Keller abgestellt war, nicht gehört. 

Ich fühlte mich weder von dem ersten noch von dem zweiten Zettel angesprochen. Beim zweiten allerdings beschlich mich ein Unbehagen. Ich hoffte wider besseres Wissen, dass niemand oder nur wenige unterschreiben würden. Aber nach ein paar Tagen hatten alle wie die braven Schäfchen ihre Unterschrift auf die Linie neben ihrem Namen gesetzt. Alle außer mir.

Einen kurzen Moment überlegte ich, ob ich um des lieben Friedens Willen doch unterschreiben solle, aber das bereitete mir fast schon Übelkeit. Also nicht.

Verrückterweise hatte ich ein bisschen  Angst, was mir als Strafe blühen würde. 

Gefragt hat mich niemand. Ich bin sicher, dass "man" nun annimmt, dass ich das gewesen sein muss mit dem Fernseher. Was aber nur bedeutet, dass im Bereich logisches Denken dort noch viel Luft nach oben ist.

Als ich gestern nach Hause kam, leuchtete mir mein Name in Pink entgegen; den hatte jemand mit Textmarker verziert.

Ich bin etwas nervös.

Sonntag, 9. Juli 2017

Freund und Helfer

Vielleicht sollte ich den Blog so langsam in "Begegnungen im ÖPNV" umbenennen - jedenfalls hatte ich wieder mal ein Erlebnis beim  Warten auf den Bus.

An der Haltestelle wartete mit mir ein junger Polizist in voller Arbeitsmontur, man könnte durchaus sagen: bis an die Zähne bewaffnet. Jedenfalls aus der Sicht einer friedlichen Bürgerin, die manche der zahlreichen, an dem jungen Mann befestigten Gegenstände nicht mal mit Namen benennen könnte. 

Ich war guter Laune, und da er ebenfalls freundlich vage in meine Richtung schaute, sagte ich: "Na, sind Sie froh, jetzt gerade nicht in Hamburg zu sein?" "Könnte man so sagen. Das heißt, nee, eigentlich wäre ich gern dort, um meinen Kollegen zu helfen." 

"Ja, das kann ich nachvollziehen. Ich würde wohl bei der einen oder anderen Demo mitlaufen, aber was Plünderungen und Abbrennen von Autos bringen soll, ist mir auch schleierhaft." 

Während ich das noch sagte, klangen in mir drin alle möglichen Stimmen aufgeregt durcheinander, denn natürlich war meine Äußerung eindimensional und - hätte mein früheres Anarcho-Ich gesagt - sogar anbiedernd. Aber ich war einfach neugierig. 

Wie sich das Gespräch danach weiter entwickelte, hat mich dann doch überrascht. Es war ein bisschen so, als tasteten wir uns vorsichtig ab, um zu sehen, wie weit die Übereinstimmung denn reichen würde. Nicht besonders weit. Und die Vorsichtige war allein ich, der Polizist war ganz klar und unbeirrt in seiner Weltsicht.

Nachdem ich gesagt hatte, dass ich es zumindest fragwürdig fand, die Demo gleich nach ein paar Metern wieder aufzulösen, hatte ich schon verspielt. 

"Was verstehen Sie denn von Polizeitaktik?" war die erste Reaktion, und dies schon in einem sehr gereizten Ton. "Natürlich nicht viel, aber es gab wohl Kritik daran, wie dort vorgegangen wurde. Man kann doch an fünf Fingern abzählen, dass das nicht friedlich abgeht. Das kann schon als Provokation dessen aufgefasst werden, was die Polizei doch eigentlich verhindern sollte."

"Na, dann bin ich ja froh, dass ich Ihresgleichen NICHT auf einer Demo gegenüber stehe!" Ich war erschrocken über den  feindseligen Ton und fragte, wie er das meine. "Sie rechtfertigen hier diese ganzen Randalierer und Gewalttäter, da brauchen  wir gar nicht weiter zu reden!" 

Ich wies darauf hin, dass ich dies mit keinem Wort getan hätte und auch wirklich nicht guthieße (und das meinte ich auch so), aber da war nix mehr zu retten. 

Mit einem verächtlichen Blick stieg der junge Mann in den Bus und wiederholte nochmals, dass nun jedes weitere Gespräch überflüssig sei. Ich versuchte es nochmal, weil ich einfach nicht glauben will, dass es keine Verständigungsmöglichkeit geben soll, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist. 

Aber ich stieß auf taube Ohren.

Dieses Thema scheint gerade einige Leute umzutreiben - Zufall oder nicht, heute las ich einen Artikel in der ZEIT, in dem es um  die Sorge geht, dass bestimmte Gruppen von Menschen nicht  mehr miteinander reden. Weil sie in grundlegenden Dingen verschiedener Meinung sind. Teils wollen sie  eine geliebte (Schein-)Harmonie nicht aufs Spiel setzen, teils haben sie resigniert, und teils ist die Kluft einfach zu tief, um noch überwunden zu werden. Also geben sie auf. Geben wir auf. 

Ich gebe zu, dass ich davon auch nicht frei bin - ist ja auch nur allzu menschlich, Konflikte zu vermeiden und seine Ruhe haben zu wollen. Also dümpeln wir nur zu gern im warmen Sumpf von Gleichgesinnten. Mach ich auch so .... bei Facebook habe ich einen früheren Arbeitskollegen aus meinem Freundeskreis geschmissen, weil er sich als Hillary-Clinton-Verächter geoutet hatte. Heute denke ich manchmal, ich hätte vielleicht die Energie für die Auseinandersetzung aufbringen sollen. Ist natürlich weit anstrengender, als sich immer nur der gegenseitigen Übereinstimmung zu versichern. 

Vielleicht war das der Grund für das Ansprechen dieses Polizisten - ich wollte mal mit der "anderen Seite" Kontakt aufnehmen.

Aber die wollte nicht mit mir. Bei der kleinsten Differenz war Schluss.

Die grölende Horde von betrunkenen Männern an der Endhaltestelle, mit Bierdosen in der Hand, bekamen ein  freundliches Grinsen und ein "Prost!" von unserem Freund und Helfer. 

Mit denen fühlte er sich offenbar mehr verbunden als  mit "meinesgleichen". Was mich ziemlich beklommen macht. 

Nee, Quatsch - es macht mich ohnmächtig wütend. Und genau das sind die Gefühle, die in Extremform zuweilen in vermeintlich sinnloser Randale explodieren.






Freitag, 30. Juni 2017

A Day of Small Pleasures - for my two sister-friends

She slept too long, again. The sun is out and she decides that she won't at least lose the rest of the afternoon.

She has some chores to take care of - nothing challenging and for the first day in a long time, nothing that has anything to do with her dad's passing. After having done that she walks by the grocery store and in the plaza in front of the store, sees a miriad of friendly, small faces all looking towards the sun. She takes one of them with her. It is called Cosmea and needs water but not too much, and sunlight, but not too much. She believes she will be able to supply that. 

But first she must carefully bring Cosmea home. And that she does. She has only taken the first few steps when a woman stops her and says: "Excuse me but can I ask you where you got this beauty?" She tells her, and the woman answers: "This is a Cosmea!" "I know", she responds, and immediately the woman takes a step back and apologizes, "Of course you do" at the same time as she goes, "It's got this little sticker with its name," and laughs. And the two of them part laughing, turning around a few times and waving. 

Cosmea and she continue to the bus stop. 

When she notices the group of people waiting she suspects that the bus is late. She stands next to a young man and he confirms her suspicion, telling her that they have been waiting for almost half an hour. And then he says: "You look so nice and blooming!" She smiles at him and only seconds later, they are deep in conversation about flowers, busses, yoga, meditating and all that is important in life. Like laughing, for example. They laugh a lot and other people begin to take notice and smile at them. Some do not smile but look on in a way that makes her think of how bitter so many people are. How much damage they must have taken. 

Later on the bus she takes Cosmea on her lap and listens to a beautiful young man sitting across from her talking in a very intense way at the older woman next to her. She would love to ask what language they are speaking, in other words, where they are from, originally, where their home was, or is but then thinks twice because - can you do that without sounding racist? So she says nothing but just enjoys the beautiful man and the beautiful language. 

The bus is stopping for no reason the passengers can detect and so, the people on the bus within seconds turn into a group of people sharing something. Sighs and smiles and shrugs of shoulders are exchanged. Suddenly a woman across the aisle asks the beautiful young man what she herself didn't dare, and he is not offended at all. He and his mother are from Iran, from Tehran, to be exact, and she tells the mother that she has been to Iran some 40 years ago. Now she is the one who must explain, and there on the bus, another small group has formed, existing of benevolent people talking about travels as students, protesting against the Shah and how beautiful Iran is. 

All the time, Cosmea nods and smiles with her many small white and yellow faces. 



When they finally arrive at her new home she first gets a fresh drink and then a cosy space next to her new friends, Geranium and Petunia.

Mittwoch, 28. Juni 2017

Black Lamb

Nobody's daughter now
Nobody's sister
Bereaved most certainly 
The only survivor of something that 
For lack of a better word you might call 
A family 
Although I never had one

And now I'm lost
I'm free?

We'll see.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Tschüss, Vati

Ich habe ja mal unter der Prämisse angefangen hier zu posten, dass ich mir schreibend über einiges und auch mich klar werden wollte. Naja. Hat nur so teilweise geklappt. 

Nun habe ich bis auf wenige Ausnahmen sehr lange nichts mehr vermerkt und heute gibts ebenfalls nur einen kurzen News Update - aber es scheint mir ein wichtiger Moment zu sein. Heute habe ich meinen Vater beerdigt. Wie das klingt. Als hätte ich im Schweiße meines Angesichts die Grube für seinen Sarg ausgehoben. Den es nicht gab, oder nur kurz als Transportbehältnis für den Körper vom Hospiz zum Krematorium. Aber nicht auf der Beerdigung.

Beigesetzt haben wir heute eine schwarze, im Design fast elegante Urne mit der Asche des Körpers, in dem für etwas mehr als 90 Jahre mein Vater gewohnt hat.

Wir - das waren eine evangelische Pfarrerin, eine Dame, die meinen Vater im Rahmen ihres Ehrenamts einige Male besucht hat, und ich, seine übrig gebliebene Tochter.

Bis dahin hatte ich noch keine einzige Träne geweint, aber ich wusste natürlich, sobald der erste Ton der Musik erklingt, geht das Geheule los. Ich war regelrecht erleichtert, dass es wirklich so war. Auch wenn die Künste des Organisten etwas zu wünschen übrig ließen. Vielleicht hätte ich ihn doch erst nach der Feier bezahlen sollen.

Während der Predigt habe ich mich ein paar Mal bei dem Wunsch ertappt, zu der Gemeinde von Christen zu gehören, die an all diese tröstlichen Dinge glauben, an die ja auch mein Vater geglaubt hat. Für ihn habe ich das Ganze schließlich organisiert. Aber ach, es ist mir nicht gegeben zu glauben...

Aber sogar mich olle Atheistin haben die althergebrachten Worte und der Segen getröstet.  

Ich bin in ganz friedlicher und ruhiger Stimmung nach Hause zurück gekehrt.






Freitag, 28. April 2017

Thank you for the music

Was so ein albernes Facebook-Spielchen auslösen kann!

Gestern ging es darum, eine Liste mit 10 Live Acts zu erstellen, auf denen man gewesen war - einer davon sollte geschwindelt sein.

Ich hatte die kleine Liste schnell beisammen, und daraufhin entspann sich ein Austausch mit den drei Leuten, die versuchten, den Fake zu finden. 

Ein unerwartetes Glücksgefühl, als mein alter Freund Michael mit nur einem Fehlversuch die Lösung nannte, und ich vice versa bei seiner Liste. Ich glaube, von sowas dermaßen gerührt zu sein - dazu muss man einfach ein gewisses Alter erreicht haben. 

Mein aller-aller-erstes Konzert habe ich im Alter von dreizehn Jahren erlebt. Frühere Opern- und Operettenbesuche zähle ich jetzt mal nicht mit. Wobei die auch toll waren. Als ich in die zweite Klasse ging, habe ich "Die Schneekönigin" als Kinderoper gesehen, und zwar die ganze Zeit Händchen haltend mit meinem ersten Freund. Der war schon älter - siebeneinhalb. War das aufregend.

Genau so wie "Der Freischütz" mit meinem Vater: Der Jägerchor bekam so viel Szenen-Applaus und "Da capo"-Rufe, dass der große Leiterwagen mit den Jägern drin wieder auf die Bühne zurück gekarrt wurde, und diese die ganze Nummer nochmal von vorn schmetterten. (Da capo heißt von vorn - nur, falls Sie das nicht wussten. Also wohl eigentlich "vom Kopf her", glaube ich. So könnte man etwa sagen: Der Fisch stinkt da capo. Aber zurück zum Thema...

Und zwar in das Jahr 1971. Meine Oma hatte mir das Ticket für damals unglaubliche 35 Mark spendiert, so dass ich mit  meiner besten Freundin ....*Tusch* Neil Diamond live in der Jahrhunderthalle sehen konnte. Der war mein absoluter Schwarm. 

Wir hatten die besten Plätze - erste Reihe Mitte. Als Vorgruppe  spielten Truck Stop, und der Sänger sang für mich ganz allein. Schließlich stand er nur ein  paar Meter entfernt mir direkt gegenüber und guckte mir die ganze Zeit in die Augen. Also bitte! 

Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass das Publikum zum überwiegenden Teil aus amerikanischen Soldaten bestand. Die waren mir zwar von Kindheit an vertraut. Wir wohnten ganz in der Nähe einer großen Kaserne, und die lässigen GIs gehörten seit eh und je zum Straßenbild. Und jetzt sollte ich mein Idol mit ihnen teilen. Das betrübte mich ein winziges bisschen. Aber nur, bis Truck Stop endlich die Bühne verließ, das Licht an und dann wieder ausging, und Neil Diamond wahrhaftig zum Greifen nah vor uns stand. 

Ekstase ist der einzig passende Begriff.

Nach knapp zwei Stunden (ja, Konzerte dauerten damals lange) wurden wir von der großen Schwester meiner Freundin mit dem Auto abgeholt. Dieser Tag war so bedeutend, dass ich bei ihr übernachten durfte. Ich hatte extra mein schönstes, selbst genähtes Nachthemd eingepackt. Und weiß noch ganz genau, wie es aussah: Ungefähr wie ein folkloristisches Abendkleid aus geblümtem Flanell. Komischerweise kann ich mich an unser Outfit fürs Konzert nicht mehr erinnern. 

Die Schwester fragte gönnerhaft, wenn auch nicht unfreundlich: "Na, wie war's?" Wir konnten  aber gar nicht sprechen vor lauter Überwältigung. Mit unseren Riesen-Postern als Beweis saßen wir stumm im Auto und taumelten dann ins Bett. Wo wir natürlich kein Auge zu tun konnten.

Später, viel später habe ich als Setzerin und Filmtipp-Schreiberin bei unserer Stadtzeitung gejobbt und nebenbei studiert. Der Musikredakteur streute alle Einladungen zu Konzerten, die er nicht wahrnehmen konnte oder wollte, großzügig unter die Kollegen, und in dieser Zeit habe ich tolle Leute auf der Bühne gesehen.  Und einige Anfänge von späteren Weltstars. Einmal kam unser Volontär von einem Pressetermin mit einer jungen Band aus Athens, Georgia. Hellsichtig verkündete er, die würden mal ganz groß. Wurden sie.

Dann gibt es Live-Erlebnisse, die sich einfach durch besondere Umstände eingeprägt haben.

Eines Abends an der Bar erzählt mir ein Freund, er habe Karten für John Lurie ergattert und freue sich schon wie wild auf das Konzert. Ich so: Mensch, da wollte ich auch hin, aber es war ausverkauft! Der Freund war nicht von der Sorte, die mir dann zum Trost noch einen ausgegeben hätte, sondern von der, die sagt: "Ach, so ein Pech!" und dazu fies grinst.

Ein paar Tage später bin ich im Urlaub in New York, bei meinem damals besten Freund. Wir machen Pläne für den Samstagabend. Schon wieder ins  Kino? Och nee. Wie wärs mit Live-Musik? Ich fahre die Spalten der Clubs und Bars entlang und sehe: John Lurie. Schnappe mir das Telefon. Ja, es gibt noch Karten. Nein, viele sind es nicht mehr. Klar, ich reserviere Euch zwei. Bis heute Abend dann! Bye. Und abends steh' ich in der Knitting Factory und denke: Ätsch.

Eigentlich wollte ich ja erzählen, wie es kam, dass ich die Smiths live gesehen habe, obwohl erst alles dagegen sprach. 

Also lieber Till, das war so:

Meine Liebe zu einer bestimmten Musik oder Gruppe entstand oft durch Erstkontakt beim Tanzen.Als ich zum ersten Mal "Handsome Devil" in der Freitagsdisco hörte, war es um mich geschehen. Als wir die Ankündigung eines Smiths-Konzerts entdeckten, war klar: Da müssen wir hin. 

Diesmal ohne ältere Schwester als Chauffeur und mit einer anderen besten Freundin, aber mindestens genau so aufgeregt wie damals, machte ich mich auf den Weg. Und dann standen wir fassungslos vor einem Plakat mit der Information, dass die Schmidts leider ihre Deutschlandtour abgesagt hätten und man das Eintrittsgeld erstatten würde. Das Eintrittsgeld! War uns sowas von egal. 

Den Tränen nah zogen wir davon und ertränkten unseren Kummer in Sekt. Und hörten dazu alle unsere Smiths-Platten.

Kurze Zeit später beschlossen wir einen Spontan-Kurzurlaub in Hamburg. Ohne besonderen Grund oder Anlass - das machten wir damals so. 

Wir besorgten uns Jugendherbergsausweise, schmissen ein paar Klamotten ins Auto, und los gings. In der JH angekommen, wurden wir von einem jungen Mitarbeiter an der Pforte gleich aufs Netteste betreut. Er wollte wissen, was wir abends vorhätten - ob wir vielleicht aufs Smiths-Konzert in die Markthalle gehen wollten. Er wüsste, wo wir noch Karten bekommen könnten. Einen Moment dachten wir an ganz gemeine Veräppelung, aber warum hätte er sowas machen sollen? Wir sofort ins Auto gesprungen und zum Vorverkaufsbüro gerast, wo wir DIE LETZTEN ZWEI TICKETS erstanden. I kid you not.

Es war ganz einfach, es war, also es war .... so:


Niemals werde ich dieses Konzert vergessen. Wie wird es wohl sein, wenn wir mal so alt sind, dass wir uns nur noch an die wichtigen Dinge erinnern - also die, die schon ewig her sind und uns was bedeutet haben. Musik zum Beispiel.

Werden wir - wie die alte Dame, die ich mal in einer Dementen-WG betreut habe - unsere alten Lieder erinnern? Mit ihr musste ich - ach was, DURFTE ich - stundenlang "Ausgerechnet Bananen" singen. 

Werden wir plötzlich loslegen "Punctured bicycle, on a hillside deso-ho-late" und vor uns hinkichern, wenn die Pfleger hastig Text und Melodie googeln, um uns bei Laune zu halten?

Ich kann mir Schlimmeres vorstellen.








Samstag, 4. Februar 2017

Kein Filmtipp

Man darf den Machern von About Ray wohl unterstellen, dass sie einen engagierten, vielleicht sogar aufklärerischen Film zu einem aktuellen Thema drehen wollten. 

Es geht um einen Transgender-Jungen, d.h. noch ist er ein Mädchen, in der sowieso schon schwierigen Lebensphase, an die wir alle so schön-schreckliche Erinnerungen haben - stimmt doch, oder hat jemals eine/r eine glückliche und unkomplizierte Pubertät erlebt? Eben. Ray ist ein sehr niedlicher Junge. Wie sollte es auch anders sein, da er von Elle Fanning gespielt wird. Ich gebe zu, ich sah trotz breitbeinigem Gang und kerligen Gesten doch immer nur die kulleräugige, stupsnäsige Elle Fanning in Jungsklamotten. 

Die Handlung beginnt im Sprechzimmer eines Arztes, der Ray und seine Familie über die Hormontherapie informiert, die sich dieser so sehnlich wünscht, um endlich der zu werden, als der sie sich fühlt. 

Eins ist von Anfang an klar - Rays Familie und der Film sind auf seiner Seite. Sein Empfinden wird nie in Zweifel gezogen; das Problem ist ein anderes: 

Der Vater muss die Einwilligung in die Therapie mit unterzeichnen. Rays Eltern leben aber schon ewig getrennt und haben keinerlei Kontakt, und weil alle alles richtig machen wollen, geht es los mit dem Trubel.

Rays Familie besteht aus seiner allein erziehenden Mutter (Naomi Watts), seiner lesbischen Großmutter (Susan Sarandon) und deren Lebenspartnerin. So ganz allein erziehend ist die Mutter in Wirklichkeit nicht, denn Oma hat eine Menge mitzureden - allein schon, weil Mutter und Ray in ihrem Haus wohnen. Wie das in solchen Filmen so ist, handelt es sich um ein schönes altes Haus in Manhattan oder meinetwegen Brooklyn (das ist mir leider entfallen), in dem genauso gut die Familie Hustvedt-Auster wohnen könnte. Alles erzählt von Geld und Kultur.

Rays Mutter ist eine dieser Frauen, die viel zu große, sehr kuschelige Pullover tragen, deren Ärmel mindestens die halbe Hand bedecken, und die man allgemein als "verhuscht" bezeichnet. Sie ist natürlich ungeheuer liebenswert und bemüht, aber im Verhalten ihrer Mutter gegenüber eher Rays Altersgenossin. Außerdem hat sie eine Affäre mit einem viel jüngeren Mann dunkler Hautfarbe. Der Grad ihrer Political Correctness ist lobenswert hoch. Einen Beruf hat sie auch: Wir sehen sie manchmal etwas halbherzig an hübschen Illustrationen (wir vermuten mal: für Kinderbücher) herumzeichnen.

Susan Sarandon ist ... eben Susan Sarandon in der Rolle einer Mutter, die unsereins in den Matrizid treiben könnte. Nicht aber ihre Filmtochter. Die ist halt verhuscht. Und muss dankbar sein für Asyl und Mietersparnis. Als Großmutter ist Ms Sarandon allerdings Bombe. 

Rays offizieller Vater lebt mit neuer Familie sehr ländlich in einem Haus am Waldrand, nach dem sich jeder Frank-Lloyd-Wright-Fan sämtliche Finger einzeln abschlecken würde. 

Rays Mutter macht sich auf die Suche nach ihm, der, wie sich später herausstellt, gar nicht der leibliche Vater ist. Dies ist dessen Bruder, also Rays vermeintlicher Onkel, mit dem die Mutter eine Affäre hatte. 

Nun folgen allerlei Verwicklungen, und unterdessen wird das Formular vom vielen Herausholen, Anstarren und Verstauen immer knitteriger. 

Einmal rollt es auf dem Rücksitz des Wagens hin und her, als Rays Mutter vor dem Haus ihres Ex der Mut verlässt und sie zunächst umkehrt. Der Regisseur ist ganz verliebt in dieses Bild, weswegen es uns etwas ärgert, weil es allzu laut "Symbol, Symbol!" ruft.

Dass die Geschichte auf ein Happy End zusteuert, steht von vornherein fest - das ist einfach gegeben bei dieser Art von Film, und dann sollte der Weg dorthin wenigstens vergnüglich und/oder spannend sein.

Stattdessen war ich schon nach einer Viertelstunde verärgert und fragte mich, woher das kam.

Unter anderem daher, dass Ray, kaum haben wir ihn ein bisschen kennen-gelernt, in die Kulissen verwiesen wird, damit die übrigen Figuren sich entfalten können. Und wie die sich entfalten!

Sie tun dies auf eine Weise, dass ich mich fragte, warum trotz des vermuteten Anspruchs im ganzen Film kaum Erwachsene  vorkommen. Komödien sind zwar darauf angewiesen, das genug Missverständnisse, Verirrungen, Verstocktheit (schweigen wo man dringend sprechen müsste etc.) vorkommen, damit das Spiel gelingt, aber eine Komödie hatte ich eben gerade nicht erwartet.

Es wirkt, als habe den Regisseur entweder der Mut verlassen, wirklich Rays Geschichte zu erzählen, oder als habe er sich bei dem kontroversen Thema Mary Poppins zum Vorbild genommen, nachdem bittere Medizin mit einem Teelöffel Zucker besser schmeckt. Aber was soll hier die Medizin sein? 

Nahezu das ganze LBGTQ-Spektrum abzudecken macht noch keinen progres-siven Film.

Am Ende erinnerte mich das Ganze an eine Mischung aus Oscar Wilde und Woody Allen, mit all den plötzlich auftauchenden Verwandten. Hier versammeln sich sämtliche Beteiligten zum Schlussbild eben in einem netten Restaurant statt einem englischen Landhaus. 

Was mir noch auffiel?

Die Hetero-Männer kommen recht gut weg in dieser Geschichte; das war zunächst ungewöhnlich und sympathisch, bis mir klar wurde, wie geschickt fies es eigentlich ist angesichts der hysterisch-hibbeligen Chaos-Mütter.

Der eindeutige Beweis, dass Ray ein echter Junge ist: Im Videoblog über sein tägliches Trainingsprogramm verkündet er stolz eine deutliche Gewichts-zunahme. 

About Ray ist im Grunde reaktionär in bunten modischen Gewändern, gezuckert mit ein bisschen Gekicher, egal, was die Macher vielleicht ursprünglich vor hatten.




Freitag, 6. Januar 2017

Magic on Main St.

Some days are just a little more special than others.

Yesterday, I went downtown to return some books to the library and maybe browse some of my favorite shopping venues. When I entered one of them, an elderly lady walked right beside me and muttered something like: "All those fucking useless people - all this is horrible shit, all these stupid fucking people...." And her face fitted her muttering - she looked like she was an a warpath. But what really gave me a start was her general look - she was actually rather attractive (or could have been if she had changed her embittered expression) and dressed smartly, in very expensive, elegant clothes and with real good taste. Interesting, I thought. 

And immediately pledged that I would do everything I can not to end up like her. Make no mistake: I wouldn't mind the clothes, I am speaking of the attitude.

Half an hour later I crossed a small place in the middle of our biggest shopping street where, since I don't remember when, a middle-aged transvestite has taken to dancing to the sound of a small ghetto blaster. Or sometimes simply to the music in his head.

He (or rather: she) is usually dressed in what you might call "bellydancing overkill" style and in summer, sporting a bare rift and bare feet, flowing yellow stringy hair and lots of costume jewellery. She is tall, definitely overweight and certainly not a classical beauty. But I have always admired her attitude and felt sorry that most of the passers-by make fun of her, stare as if she was a horrid sight or even laugh out loud. However, nothing ever seemed to impress her or made her give up.

Today, I noticed someone dancing along with her. I looked a little closer, and saw that a young woman moved next to her, holding her hand and smiling at her kindly.

There was nothing special about this woman except maybe her Asian features. Which also is not that special in my hometown. After a few more minutes she bade farewell to her dancing partner by kissing her hand. I smiled at her and gave her a "thumbs up". She ambled over in my direction and I told her that I loved what she just did. Then it happened:

She suddenly bowed and touched my shoes, came up again, gently took my face in her hands, stroked my cheeks, then took both my hands and kissed them. She smiled at me like a fairy godmother and said "I love you" and was on her way.

I just stood in the same place for a while, feeling peaceful, calm and - blessed. Yes, blessed, even if I don't usually like this worn-out word. But there is no other expression that describes what I felt.

Magic on main street