Montag, 24. Juni 2013

Cut and Woah!

Immer mal wieder teste ich neue Frisöre. Diesmal in einem Salon mit gutem Namen und einem Sonderangebot: Haare selber föhnen - na, das krieg' ich hin, und wenn’s Geld spart ...

Ich gehe zum vereinbarten Termin und werde von einer jungen Frau empfangen, die mich entfernt an Lena Meyer-Landrut erinnert, nur minus Charme.

Trotzdem beschließe ich ihr zu vertrauen und schildere mein Anliegen. Und sie versteht scheinbar genau, was ich will. Ihre altkluge Art überhöre ich. Auch, dass sie über die Konkurrenz herzieht.

Ich klammere mich störrisch an meinen Optimismus. Da teilt sie mir mit, dass mein Hals praktisch nicht vorhanden sei und ich „Null Hinterkopf“ habe. Schüchtern wende ich ein, dass meines Wissens jeder Mensch über einen Hinterkopf verfügt, aber sie sagt, ich wüsste schon, was sie meint. Und ich – stimme ihr zu.

Wieso mache ich das? Warum bin ich nicht so souverän wie die Frau in einer Hollywoodkomödie, die auf die Vorschläge einer Kosmetikerin einwendet, sie fände ihre großen Poren sehr praktisch. Da könne man lauter Kleinigkeiten unterbringen, wenn man mal keine Handtasche mitnehmen will.

Wenn man über keines der gängigen Attribute weiblicher Schönheit verfügt, dann braucht man mindestens einen guten Dialogschreiber. Oder ein so robustes Selbstwertgefühl wie Melissa McCarthy – die aus „Bridesmaids“. Am besten beides. Schon wieder Hollywood.

Das Leben ist keine Romantic Comedy. Sonst würde die Frisör-Zicke ihre verdiente Strafe bekommen. Zum Beispiel könnte Melissa McCarthy sich auf sie werfen und sie kurzerhand unter sich begraben. Ich höre direkt ihr empörtes Röcheln. Also das der Friseurin. Melissa würde sich königlich amüsieren. Wenn ich so drüber nachdenke, hätte ich das selbst machen können. Ich habe schon oft Lust gehabt, mal eine richtig hysterische Szene hinzulegen. Aber im wirklichen Leben muss man ja aus der Nummer irgendwie wieder rauskommen. Sowas will gut geplant sein.

Einmal habe ich es wirklich getan. Bin zur WG meines Noch-nicht-ganz-Ex-Freundes marschiert, an seinem verblüfften Gesicht vorbei und habe alle meine Fotos von der Pinnwand gerissen. Dann kommentarlos Türen schmeißend die Wohnung verlassen. Da bin ich heute noch stolz drauf. Beim Rückblick überkommt mich allerdings auch Mitgefühl. Der arme Mann. So kannte der mich gar nicht. Vielleicht war das unser Problem. Aber ich schweife ab.

Eigentlich wünsche ich mir, dass mich meine sonst durchaus scharfe Zunge nicht ausgerechnet im Stich lässt, wenns wirklich drauf ankommt.

Was für elegante Sätze ich dann kaltlächelnd servieren würde – ach, ein Traum.

Der Zicke würde ich zum Beispiel sagen…..(to be continued).