Donnerstag, 22. Juni 2017

Tschüss, Vati

Ich habe ja mal unter der Prämisse angefangen hier zu posten, dass ich mir schreibend über einiges und auch mich klar werden wollte. Naja. Hat nur so teilweise geklappt. 

Nun habe ich bis auf wenige Ausnahmen sehr lange nichts mehr vermerkt und heute gibts ebenfalls nur einen kurzen News Update - aber es scheint mir ein wichtiger Moment zu sein. Heute habe ich meinen Vater beerdigt. Wie das klingt. Als hätte ich im Schweiße meines Angesichts die Grube für seinen Sarg ausgehoben. Den es nicht gab, oder nur kurz als Transportbehältnis für den Körper vom Hospiz zum Krematorium. Aber nicht auf der Beerdigung.

Beigesetzt haben wir heute eine schwarze, im Design fast elegante Urne mit der Asche des Körpers, in dem für etwas mehr als 90 Jahre mein Vater gewohnt hat.

Wir - das waren eine evangelische Pfarrerin, eine Dame, die meinen Vater im Rahmen ihres Ehrenamts einige Male besucht hat, und ich, seine übrig gebliebene Tochter.

Bis dahin hatte ich noch keine einzige Träne geweint, aber ich wusste natürlich, sobald der erste Ton der Musik erklingt, geht das Geheule los. Ich war regelrecht erleichtert, dass es wirklich so war. Auch wenn die Künste des Organisten etwas zu wünschen übrig ließen. Vielleicht hätte ich ihn doch erst nach der Feier bezahlen sollen.

Während der Predigt habe ich mich ein paar Mal bei dem Wunsch ertappt, zu der Gemeinde von Christen zu gehören, die an all diese tröstlichen Dinge glauben, an die ja auch mein Vater geglaubt hat. Für ihn habe ich das Ganze schließlich organisiert. Aber ach, es ist mir nicht gegeben zu glauben...

Aber sogar mich olle Atheistin haben die althergebrachten Worte und der Segen getröstet.  

Ich bin in ganz friedlicher und ruhiger Stimmung nach Hause zurück gekehrt.