Freitag, 17. Oktober 2014

Communication Fail (Gutmensch-Anekdote)

Da mein kleines Haustier* mich seit einiger Zeit wieder intensiv in seinem zärtlich-grausamen Würgegriff hat, fällt mir alles, was die meisten Menschen täglich mit links erledigen, unendlich schwer. Sogar das Bloggen, an das ich mich nun langsam wieder gewöhnen will. 

Als Wiedereinstieg eine kleine Geschichte vom Geben und Nehmen.

Nachdem ich mir inzwischen erlaube, auch virtuelle Gemeinschaften zu genießen, da sie ein bisschen gegen die Isolation helfen, bin ich in einigen Facebook-Gruppen aktiv geworden. Wobei diese Aktivitäten gelegentlich zu Begegnungen in der wirklichen Welt führen - also IRL, was nicht bedeutet, dass wir uns in Irland  treffen - LOL, was ich in meinem Alter vielleicht nicht mehr benutzen sollte. Aber WTF, stimmt's?

Zu Begegnungen kommt es zum Beispiel, wenn ich etwas verschenke. Was ich gern und oft tue, da ich für weniger Müll und mehr Freude auf der Welt bin. Auch wenn ich derzeit nur eine Winzigkeit dazu beitrage. In den letzten Wochen biete ich meist Klamotten an. Ich schrumpfe inzwischen der übernächst-kleineren Konfektionsgröße entgegen, und deswegen macht es mir doppelt Freude, schöne Teile aus meiner Garderobe abzugeben. Einen großen Sack voll habe ich letztens wie ein verfrühter Nikolausi zu einem Obdachlosen-Treff geschleppt. Da Frauen, die auf der Straße zurechtkommen müssen, aber wenig Verwendung für Ausgehkleidung haben, verschenke ich die über meine  lokale Free Your Stuff-Community.

Womit wir wieder zu Facebook zurückkommen.

Erste Szene
Posten eines Fotos von einer Abendhose im Marlene-Stil, gut erhalten, detailliert beschrieben. Die erste Interessentin meldet sich bald, der ist die Hose aber zu kurz.

Intermezzo: Warten.

Pause - will denn niemand die schöne Hose haben?

Zweite Szene
Eine Frau, die ich schon öfter in der Gruppe gesehen habe, schreibt: "Interesse." Kurz und bündig. Nicht charmant oder freundlich, aber ist nicht weiter schlimm. Es fällt mir trotzdem auf. Ich frage, wann sie die Hose denn abholen möchte - ich würde ihr meine Adresse per Personal Mail senden.
Gesagt, getan.
Sie: Morgen Abend passt ganz gut, es soll ja morgen nicht regnen, wenn Du verstehst, was ich meine.
Ich: Ehrlich gesagt: nein. Morgen passt mir aber nicht so gut, wie wäre es mit Montag ca. 18 Uhr?
Sie: Ja, das klappt. Da komm ich vom Hof, dann kurz nach Hause und zu Dir.
Ich: (denke) Was fürn Hof? (schreibe): Alles klar, dann also bis Montag. Bitte sag aber auf jeden Fall Bescheid, wenn es nicht klappen sollte, damit ich nicht umsonst warte.
Sie: Jaja, aber ich habe das jetzt im Hirn.
Ich: (denke) Aha.

Dritte Szene

Montag, ca. 18:30 Uhr. Geduld ist nicht gerade meine Stärke...außerdem hat mich eine heftige Erkältung erwischt.

Ich: Hallo, kannst Du mir sagen, wann Du kommst, denn ich bin inzwischen krank und möchte gern zurück ins Bett. Wir hatten ja 18 Uhr vereinbart.

Sie: Ja, sorry, ich bin aufm Hof und komme nicht vom Klo runter.
Ich: So etwas nenne ich "too much information", aber egal. Du kannst also heute doch nicht kommen? Ist nicht schlimm - die Hose wird ja nicht schlecht. Ich hebe sie für Dich auf. Melde Dich bitte, wenn Du sie abholen kannst.
Sie: War keine böse Absicht oder so. Dumm gelaufen. Tut mir leid - wirklich - sorry (usw usw ad infinitum). Also bis dann. War echt nicht böse gemeint, sorry. Ja, dann melden wir uns gegenseitig.
Ich: (denke) Wie bitte?!?!

Ende.


Muss ich noch erwähnen, dass ich nie wieder etwas von der Dame gehört habe?


Merke: es ist manchmal komplizierter als man denkt, jemandem eine Freude zu machen.



* Ich habe meine Depression inzwischen "Ka" getauft, weil ich sie schon einmal als Schlange beschrieben habe, und weil sie ganz ähnliche Taktiken anwendet wie ihre Namensvetterin aus dem "Dschungelbuch".