Dienstag, 12. Mai 2015

Dream Come True - für Julia Karnick und Till Raether

Morgen erscheint die Zeitschrift mit meinem ersten "richtigen" Artikel, und eben gerade merke ich, dass ich ein bisschen aufgeregt bin. Für alte Hasen in dem Geschäft ist das sicher lachhaft, aber ich bin ja keiner. Also kein Hase.

Allein wenn ich darüber nachdenke, wie das alles gekommen ist, schmunzele ich vergnügt und immer noch staunend vor mich hin.

Seit gefühlten hundert Jahren lese ich die BRIGITTE. Als ich so um die dreizehn Jahre alt war, fing meine geliebte Patentante damit an, mir die Zeitschrift, die damals noch BRIGITTE mit CONSTANZE hieß, weiter zu reichen, sobald sie sie ausgelesen hatte. Seltsamerweise las meine Mutter solche Magazine nicht. Kann sein, dass Tante Annegret - unverheiratet und berufstätig - eine Optimistin war und von einem schöneren Leben träumte, während meine Mutter resigniert hatte und Arztromane las. 

Jedenfalls bin ich der Zeitschrift seither treu geblieben. Zwischendurch immer wieder über irgendwas geärgert, aber dann durch bestimmte Reportagen, Themen und Kolumnen wieder versöhnt. Und ebenfalls seit langer Zeit liebe ich die Texte von Julia Karnick, die jahrelang Kolumnistin bei BRIGITTE war, und deren schrägen Humor ich wunderbar finde. Als sie damals ihre letzte Kolumne schrieb und als Trost fürs Aufhören  versprach, auf Facebook mit allen willigen Leserinnen  befreundet zu sein, habe ich sie sofort beim Wort genommen und seitdem viele witzige und / oder kontroverse Diskussionen mit ihr und anderen Frauen und vereinzelten Männern geführt. 

Julia Karnick fing kurze Zeit später als Kolumnistin bei der etwas gediegeneren BRIGITTE WOMAN an und durfte sich von mir ab und zu kleine Schmähungen dazu anhören. Irgendwann hatte ich die Bezeichnung "die FDP unter den Frauenzeitschriften" erfunden und lieb gewonnen. Gebe ich gern zu. Sowas nennt sich Ownership Bias, jedenfalls in dem hochspannenden Fach Behavioral Economics (Verhaltensökonomie), das ich mit großer Begeisterung in einem Online-Kurs bei dem begnadeten Entertainer Professor Dan Ariely an der Duke University studiert habe. Seitdem faszinieren mich Wirtschaftsthemen. Mit Behavioral Economics kann man nachweisen, dass Boni für Banker nichts nützen, sondern sogar schaden. Das haben wir schon geahnt, aber es macht Spaß, in  einer Diskussion mit Fakten zurückschlagen zu können.

Das Prinzip Ownership Bias wird etwa von IKEA ausgenutzt, indem man die Kunden basteln lässt und diese dann die Möbel einfach super finden, weil sie sie "selbst gemacht" haben. Also das ist natürlich sehr verkürzt,  und außerdem gehört es überhaupt nicht zum Thema - warum lässt man mich hier einfach so abschweifen!? 

Julia wird sich (hoffentlich) nicht mehr erinnern, aber einmal habe ich sie angeschrieben und gefragt, wie man Kolumnistin wird, wenn man völlig unbekannt ist. Sie hat freundlicherweise geantwortet und zwar absolut sachlich. Fazit: wenn ein unverlangter Text entgegen alle Wahrscheinlichkeit bei der Redakteurin landet und die dermaßen umhaut, dass sie ihn trotz namenloser Autorin veröffentlicht, dann, vielleicht...mit anderen Worten: so etwas kommt praktisch nie vor. Ich war erstmal ernüchtert. 

Inzwischen hatte ich nämlich angefangen zu bloggen, und immer mehr die Erfahrung gemacht, dass mir die Worte nur so aus den Tasten hüpften, wenn ich ein Thema hatte. Und da mich im Grunde alles interessiert, habe ich immer ein Thema. Ich hatte so eine Ahnung, dass ich schreiben kann, aber manchmal schlug dieses Gefühl ins genaue Gegenteil um, und ich konnte schlecht beurteilen, ob ich auch professionellen Ansprüchen genügen würde und nicht zuletzt: ob mich überhaupt jemand lesen wollte.

Dabei hatte ich immerhin schon einmal ein Nachwort zu einem von mir lektorierten Buch verfasst. 

Bei BRIGITTE und dann BRIGITTE WOMAN gab es noch jemanden, den ich immer sehr gern las. Aus ähnlichen Gründen wie die Artikel von Julia Karnick mochte ich die von Till Raether  - seinen besonderen Humor, seinen Schreibstil und seine Nahbarkeit. Auch mit ihm war ich inzwischen über Facebook in Kontakt. Und eines Tages nahm ich meinen ganzen Mut  zusammen und fragte, ob er sich mal meinen Blog anschauen möge. Eigentlich eine Zumutung für einen vielbeschäftigten Autor, Journalisten und Familienvater. Aber er willigte ein. Und überschüttete mich regelrecht mit Lob und Ermutigung. Ich war total verblüfft und sehr gerührt. 

Wer mich ein bisschen kennt, wird sich nicht wundern, dass man mich durch Freundlichkeit und Unterstützung - eigentlich passt sogar das Wort Selbstlosigkeit - recht zuverlässig aus der Fassung bringen kann. Mit Desinteresse oder Verachtung kann ich besser umgehen, weil das meiner früheren Erfahrung viel eher entspricht. Als ich die ausführliche Email las, musste ich mich also erstmal kneifen, dann mehrmals lesen und später endlich freuen. Hier stelle man sich ein Smiley vor. Oder ein Filmchen von einer schnurrenden Katze. 

Langsam nähern wir uns dem vorläufigen Happy End, denn vor einigen Wochen kam eine Anfrage von BRIGITTE WOMAN, ob ich nicht einen Artikel über das Thema "Kriegsenkel"  schreiben wolle. 

Ich habe mich nicht lange geziert.  

Und das ist der Grund, warum ich heute ein bisschen aufgeregt bin.

To be continued.